Füße vorm Schwimmbecken

Was glaubst Du, passiert mit Deinem Körper, wenn Du plötzlich im tiefen Wasser bist? Was genau macht Dir Angst? Glaubst du zu ertrinken? Wenn ja, warum?

Glaubst Du auf den Boden zu sinken? Oder wir tief genau? Meinst Du sofort voller Wasser zu laufen? Oder viel und korrekt strampeln zu müssen, in einem permanenten Kampf ums Überleben?

Selbst hatte ich keine genauen Vorstellungen, nur eine diffuse Angst. Die mich wiederum davon abgehalten hat, mich überhaupt mit der Frage zu beschäftigen. Kinder sind da unbefangen und probieren aus, Erwachsene möchten und müssen aber verstehen.

Und mir hat geholfen zu verstehen, wie Wasser und der mescnhliche Körper sich im Wasser verhält. Also ganz rational meine diffusen Ängste angehen und rational begegnen. In diesem Artikel möchte ich Dir drei Fehleinschätzungen behandeln, deren Uberwindung mir sehr geholfen hat.

1. Ich sinke!

Im Wasser gleiten

Ein verbreitetes Missverständnis ist, dass man im Wasser automatisch untergeht, wenn man sich nicht stark bewegt. Dabei hat der menschliche Körper grundsätzlich Auftrieb - er ist leichter als Wasser. Vor allem wegen der Luft in der Lunge und dem hohen Wasseranteil im Körper.

So lange Du auch noch etwas Luft in Dir drin hast, wirst Du an der Wasseroberflåche bleiben. Dein Körper schwimmt - besser gleitest - von ganz alleine. Deshalb ist einer der ersten und wichtigsten Übungen in der Wassergehwöhnung der “Seestern”: Lege Dich dafür flach auf den Rücken ins Wasser. Lass Dich treiben, Kopf ins Wasser, bis Deiner Ohren bedeckt sind und Du an die Decke schaust. Arme zur Seite gestreckt. Beine ebefalls lang in beide Richtungen und Du scwebst!

Weil die Beine mir ihren Muskeln die schwersten bzw. dichtesten Körperteile sind müssen viele Menschen noch ganz leicht mit Ihren Füßen paddeln, damit diese oben bleiben. Das ist aber nicht zwingend notwendig.

Auch wenn Deine Beine leicht absinken – solange Luft in Deiner Lunge ist, bleibt Dein Gesicht über Wasser. Du kannst also ruhig weiteratmen – und genau das solltest Du auch tun.

Das ist auch die Position, die man bei Erschöpfung oder Problemen einnehmen soll, um sich retten zu lassen. In dieser Position kannst Du im Notfall Stunden verbringen, ohne viel Kraftanstrengung.

Du kannst Dich ebenfalls flach auf den Bauch legen und gleiten. Nur Deinen Kopf musst Du ab und an zum einatem anheben. Der wichtigste Aspekt ist hier das Vertrauen ins Wasser und die Erfahrung, dass dir praktisch nichst passieren kann. Für den Aufbau des Vertrauens hilft wiederum nur eines: Üben und Trauen.

Experimentiere das ohne Scheu dort im Wasser, wo Du noch stehen kannst. Halte Dich mit einer Hand am Beckenrand fest und lege Dich hin. Gerade für Nichtschwimmer mit wenig Vertrauen ins Wasser, ist das eine erste - aber wichtige - Mutprobe, die mir selbst sehr geholfen hat.

Letztlich ist es reine Physik und Du musst Dein Gehirn durch Training davon überzeugen den Naturgesetzen mehr zu vertrauen, als Deinen Urängsten.

Menschen mit hohem Köperfettanteil haben es übrigens leichter. Fett hat eine geringere Dichte als Muskeln, so dass “Schwimmringe” keine Schwäche sind, sondern ein Vorteil.

2. Kopf im Wasser bringt Wasser in die Nase

Halber Kopf im Wasser

Niemand mag Wasser in der Nase. Vermutlich hast Du auch - wie viele andere - schlechte Kindheitserinnerungen daran. Viell,eicht warst Du als Kind im Hallenbad und bist mal versehentlich untergetaucht. Oder andere Kinder haben Dich ohne Vorwarnung untergedöppt? Und die Erwachsenen meinten nur, Du solltest Dich nicht so anstellen?

Die wichtigste und gleichzeitig schwierigste Barriere beim Schwimmen lernen ist es, den Kopf ins Wasser legen zu können. Allein die Angst vor dem Wasser im Gesicht, lässt uns Verkrampfen und Kämpfen. Und diese fehlende Lockerheit macht uns das Schwimmen schwer.

Klar haben viele Menschen - vor allem Damen - das Ideal elegant mit Kopf über dem Wasser durch das Hallenbad zu gleiten, um Frisur und Brille zu erhalten. Nur wenn es mal passiert, darf keine Panik ausbrechen. Deshalb ist das Verständnis wichtig: Wasser kommt nicht in die Nase, solange Du keinen Kopfstand unter Wasser machst und auch nur ein wenig Luft in der Nase behälst.

Bei meiner ersten Schwimmstunde sollten wir gleich mit dem Kopf unter Wasser gehen. Das habe ich mich nicht getraut. Ich hatte exakt diese Angst. Genauer hatte ich eigentlich gar keine konkrete Vorstellung, was passiert würde. Unsere Lehrerin riet uns, zu Hause in der Badewanne zu üben. Ich machte es noch einfacher: In der Küche ließ ich Wasser ins Spülbecken und tauchte langsam mein Gesicht ein. Zu meiner Überraschung: Nichts passierte.

Ich hatte fest damit gerechnet, dass es unangenehm wird. Aber es war einfach nur – nass. Kein Wasser in der Nase. Keine Panik. Nur ein Schritt nach vorne.

Ich wiederholte das Experiment mehrere Male und erzielte so meinen ersten bewussten Durchbruch auf meinem Weg vom Nichtschwimmer zu Schwimmer: Den Kopf ins Wasser zu legen. Das hat mir die Schwimmstunden und Übungen in den folgenden Wochen deutlich erleichtet.

Das sehe ich auch beim Wassergewöhnungskurs unserer Tochter: Ein wichtiger Teil ist es das Gesicht fürs Wasser zu desensibilieren. Anders gesagt: das Gesicht ins legen, keine Panik bei Spritzwassser zu bekommen. Mal ins Wasser zu springen und dabei den Kopf unter Wasser zu haben. Nichts davon muss man lieben lernen oder gerne tun. Es soll nur keine Panik entstehen.

Auch hier hilft ein Verständnis von Physik. Wenn Du ein leeres Glass kopfüber ins Wasser drückst, wird kein Wasser eindringen. Die Luft bleibt drin. Probier das gerne mal zuhause in einem Spülbecken oder der Badewanne aus.

Genauso funktioniert auch Deine Nase. Ist Luft drin, kommt kein Wasser rein, solange Du Dich nicht kopfüber im Wasser bewegst. Dann hilft eins: Langsam ausatmen.

3. Viel strampeln hilft viel

Streckbewegung beim Schwimmen

Einige Wochen nach Beginn meines Schwimmkurses stand ich am Rand eines großen 25-Meter Schwimmerbeckens. Selbst war ich noch nicht in der Lage im tiefen Wasser zu bestehen. So beobachtete ich die anderen Schwimmer im Wasser und wunderte mich, wie sie es so mühelos schaffen durch das Wasser zu gleiten.

Wie viele Nichtschwimmer glaubte ich, Schwimmen sei ein permanenter Kraftakt – als müsse man ständig strampeln, um nicht zu ertrinken. Was stimmt: Wer in Panik gerät oder zu viel Kraft einsetzt, wird schnell müde und kommt außer Atem. Was hilft: Effiziente Bewegungen und Pausen. Gute Schwimmer bewegen sich ruhig, nutzen Auftrieb, Gleitphasen und gezielte Bewegungen. Schwimmen kann sogar sehr entspannend sein – aber erst, wenn man sich im Wasser sicher fühlt.

Viele YouTube-Videos zeigen vor allem, wie man schnell schwimmt. Aber Tempo ist nicht das Ziel – sondern Eleganz und Leichtigkeit. Mit möglichst wenig Widerstand durch das Wasser zu gleiten. Die Grundlage dafür ist die Stromlinienform: Lang gestreckt im Wasser liegen. Jede weitere Schwimmart und Position ist eine Ableitung davon.

Brustschwimmen mit dem Kopf unter Wasser war meine persönliche Entdeckung – ruhig, gleichmäßig, mit viel Gleitzeit. Es fühlt sich an wie Meditation im Wasser. Bei dieser Art ist die Ausgangslage tatsächlich der im Wasser gestreckte Körper. Die Arm- und Beinbewegungen sollen möglichst kurz und wenig ausladend sein. Der Hauptteil des Schwimmen liegt dabei beim Gleiten.

Mit dieser Form konnte ich locker den Teil des Dauerschwimmens meiner Gold-Prüfung meistern: 800 Meter in maximal dreißig Minuten zu Schwimmen. Das ist so wie der langsame Dauerlauf beim Joggen. So kann man praktisch ewig Schwimmen, ohne außer Puste zu kommen.

Warum ist das so? Gleiten ist wie das Ausrollen beim Fahrradfahren - du hast einmal Schwung geholt, und der trägt dich weiter. Eine fortgeschrittene Übung dazu ist, mit möglichst wenig Zügen eine Bahn zu schaffen. Wenn Du das hier liest und schon etwas schwimmen kannst, mache das im Nichtschwimmerbecken. Versuche die Gleitphasen so lange wie möglich zu halten - habe dabei keine Angst mit dem Mund oder dem ganzen Kopf im Wasser zu liegen.

Der Schlüssel ist Ruhe. Jeder hektische Schlag bringt Unruhe, jede ruhige Bewegung bringt Vertrauen. Vertrauen kommt durch Wiederholung und einfachem Üben. Du musst Dich der Situation kontrolliert aussetzen. Also planst Du am besten direkt Deinen nächsten Schwimmbadbesuch, sobal Du diesen Artikel zu Ende gelesen hast!

Fazit

Viele Ängste beim Schwimmen entstehen durch falsche Vorstellungen – über das Wasser und über den eigenen Körper. Wer diese Missverständnisse erkennt und Vertrauen aufbaut, merkt schnell: Wasser trägt. Und Schwimmen kann jeder lernen – in jedem Alter.

Jetzt bis Du dran

Du musst kein Kind sein, um Schwimmen zu lernen – und kein Sportass, um Dich sicher im Wasser zu fühlen. Es braucht nur einen ersten Schritt: Neugier. Und ein bisschen Mut.

Vielleicht ist heute der Tag, an dem Du Dir vornimmst, es auszuprobieren. Mach den Selbsttest in der Badewanne. Oder schau nach einem Schwimmkurs für Erwachsene in Deiner Nähe.

Denn eines ist sicher: Wasser trägt – und Du kannst das auch erleben.